Freitag, 9. Juli 2010

Aktion: "Pro Verständigung, gegen Ausgrenzung"

Am 16. Juli soll ein Spiel zwischen KFC Uerdingen und der iranischen Nationalmannschaft stattfinden. Ein scheinbar triviales Ereignis, wenn es nicht Panikmacher geben würde, die das Spiel zu verhindern versuchen. Mehr dazu hier.

Zu diesem Anlass startet www.irananders.de die Aktion "Pro Verständigung, gegen Ausgrenzung". Ziel der Aktion ist die schweigende Mehrheit gegen die überzogene Boykottaufrufe zu aktivieren und den Fans und den Fußballclub KFC Uerdingen den Rücken zu stärken. DIESEN AUFRUF MÖCHTE ICH UNTERSTÜTZEN! Unten ist ein vorgefertigter Text, den man an den Verein hier schicken kann. Bitte die Signierung unter "Herzliche Grüße" nicht vergessen. Selbstverständlich kann kann man auch einen eigenen Text formulieren.

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Sehr geehrte Damen und Herren!

Erlauben Sie mir hier auf die Vorwürfe einzugehen, die Ihnen von der "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" - und mittlerweile sicher auch von anderer Stelle - wegen Ihres geplanten Spiels gegen die iranische Nationalelf gemacht werden.

Kurz vorab: Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Fußball verbindet, Fußball ist Dialog! Der unsportliche Aufruf, der an Sie gerichtet wurde, kann im Einzelnen wie folgt auseinander genommen werden:

Der Iran ist NICHT isoliert! Wer so etwas behauptet, der kennt sich schlicht und einfach auf der internationalen Ebene nicht aus und möchte suggerieren, dass es sich hier um einen international anerkannten „Schurkenstaat“ handelt, wo nur Sie bereit wären sich auf ihn einzulassen. Der Iran ist nicht nur reguläres FIFA-Mitglied, sondern auch Gastgeberland bei allen möglichen internationalen Organisationen, wie der ECO, D-8, G-15 und Mitgliedsstaat bei der CICA, SCO OPEC und bei vielen anderen mehr. Die Behauptungen, der Iran sei isoliert, kann man immer wieder finden, weil große deutsche Zeitungen dazu neigen, die Behauptungen der US-Regierung (und auch mancher deutscher Politiker) einfach unkritisch und unüberlegt als Realität anzusehen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern es ignoriert auch die tatsächlichen Verhältnisse auf der internationalen Bühne!

Ein anderer Vorwurf ist der, dass der Iran antisemitisch sei. Wer bei uns im Westen weiß schon, dass im Iran eine der größten jüdischen Gemeinden außerhalb der USA und Israels in Ruhe und Frieden lebt und dort auch nicht weg möchte? Es hat andere Gründe, dass der Iran keine Spiele gegen Israel bestreitet: Die beiden Länder erkennen sich gegenseitig nicht an und somit ist auch kein Länderspiel der beiden Nationalmannschaften möglich. Ein Spiel Chinas gegen Taiwan wäre aus dem gleichen Grund unmöglich! Auch viele Spiele zwischen arabischen Mannschaften und Israel fanden aus demselben Grund nicht statt.

Was den Iran betrifft, so leben Teile unsere Medien in einer Parallelgesellschaft! Es gibt so viele schlimmere Staaten in der Welt und auch in der Region, wie z. B. Saudi-Arabien (wo die Frauen kein Auto fahren und die Menschen nicht wählen dürfen), Ägypten (wo ein Diktator seit gut 30 Jahren per „Notstandsgesetz" herrscht) und nicht zuletzt das für seine Menschenrechtsverletzungen bekannte China, bei dem man sich bei uns in Deutschland nicht einmal daran gestört hat, dass dort die Olympischen Spiele ausgetragen werden.

Um es kurz zu machen: Es wird versucht, den Fußball für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Aber auch unter politischen Gesichtspunkten wäre eine Absage katastrophal. Man würde damit den Iranern zu verstehen geben: Wir wollen keinen Dialog mit euch führen und wir sind bereit alles, sogar den Sport, zu instrumentalisieren um euch zu ignorieren!

Lassen Sie das nicht zu! Spielen Sie gegen Iran und spielen Sie gut! Machen Sie das Spiel zu einem Festival der Tore und zu einem Triumph!

Herzliche Grüße,

Vorname, Nachname




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Freitag, 18. Juni 2010

Auszeit

Da ich einen neuen Job neben dem Studium angetreten habe und beides zusammen mich momentan sehr beansprucht, nehme ich mir mal wieder eine Auszeit. Danke an alle Leser, die ab und zu hier hereinschauen!

Bis dahin möchte ich ein paar Informationsseiten zu verschiedenen Themen empfehlen:

Sehr sehr empfehlenswert zum Thema Iran: IRANANDERS

Nachrichten zur Türkei aus der Sicht eines "deutsch-Türkens": nachrichten_aus_dem_orient

Gute Hintergrundberichte: Zeitfragen, auch Hintergrund
Gute Artikel & Kommentare: Neues aus dem Neuronenwald

Mittwoch, 5. Mai 2010

Al-Turkiya - Ankaras neuer Draht zur Arabischen Welt

China, Frankreich, Iran, Russland, UK und USA haben jeweils schon einen Fernsehrsender in der Region. Seit Sonntag folgt die Türkei mit "Al-Turkiya", (Arabisch für "Der Türkische Channel") dem Trend, Nachrichtensender nach dem Vorbild des Marktführers Al-Jazeeras für die arabische Welt zu starten. Dieses Phänomen kommt nicht von ungefähr, gibt es doch knapp 300 Millionen potenzielle Zuschauer. Die mediale Erschließung dieses Potentials ist nun ganz im Zeichen einer Annäherung auf allen Gebieten seitens Ankaras an die arabische Welt zu sehen.

Der Start des Senders am Sonntag war im nationalen Interesse der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan selbst sprach während der Einweihungszeremonie für den neuen Sender von einem "historischen Tag für die türkisch-arabische Freundschaft." Von einer Kommunikationsverbindung zwischen den Herzen der arabischen und türkischen Welt und von einem Sender "der unsere Herzen vereint" war sogar die Rede. Dies dürfte die arabische Welt schmeichel, ist Erdogan dort doch sowieso schon seit seinem Protest 2009 gegen die israelische Bombardierung Gazas in Davos populär. Damals hieß es in der arabischen Welt, dass die eigenen Führer schwiegen, während Erdogan protestiert.

Verbesserte Beziehungen in die arabische Welt
Tatsächlich sind diese Aussagen für die Außenpolitik der Türkei mehr als nur ein schönes Wort zum Sonntag. Fast ein Jahrhundert blieb die Türkei gegenüber der arabischen Welt verschlossen. Die Araber hätte die Türken im Osmanischen Reich, während des ersten Weltkriegs, "verraten" hört man noch heute einige türkische Nationalisten behaupten. Die Türkei sei von Feinden umgeben. Nach der Aufbesserung der Beziehungen zu Syrien, der Wiederbelebung einer Eisenbahnverbindung in den Irak in der Tradition der "Bagdadbahn" und dem zumindestens verbalen Mitspielen im Nahostkonflikt, ist der Start von "Al-Turkiya" nun aber ein weiteres von vielen symbolischen Schritten, die zeigen, dass Ankara seine Fühler wieder Richtung Osten streckt.

Diese Ausrichtung scheint Teil einer Gesamtstrategie der türkischen Außenpolitik zu sein, die strategisch günstige Lage des Landes in politisches und wirtschaftliches Kapital umzumünzen. Spätestens seit der Beitritt in die EU durch die Wahl von Sarkozy in Frankreich und von Merkel in Deutschland in weite Ferne gerückt zu sein scheint, öffnet sich die Türkei zu den Machtzentren in seiner direkten Umgebung. Neben der Offensive in die arabische Welt sind die Beziehungen zur Regionalmacht Iran gut, das Verhältnis zu Russland, das jahrhundertelang durch gegenläufige Hegemonialbestrebungen und dem Beitritt der Türkei zu Nato geschwächt war, befindet sich wirtschaftlich und politisch im Aufschwung. Nicht zuletzt bei der Kooperation im Bereich Energiepolitik nutzt Ankara seine Lage als Transitland und kooperiert hier mit Russland.

Unter diesem Blickwinkel dürfte auch eine kleine Zuschauerzahl für "Al-Turkiya" für die Interessen Ankaras keine Enttäuschung sein. Der TV-Sender mit Live Sendungen aus Kairo, Beirut und Damaskus ist allein durch seine Existenz schon ein PR-Produkt, das in der Arabischen Welt seine Wirkung haben wird. Zwar öffnet sich die Türkei politisch und wirtschaftlich und nun auch medial in alle Richtungen, nirgends wird das aber so positiv erlebt wie in den arabsichen Ländern. Al-Turkiya wird damit ein weiterer Meilenstein in der Wandlung des Türkeibewusstseins der Arabischen Welt sein. Vom feindlichen gesinnten nördlichen Nachbarn, der nicht nur Nato-Mitglied sondern auch Verbündeter Israels ist und als Bittsteller bei der EU als nicht unabhängig empfunden wurde, entwickelt sich von Kairo über Beirut bis Bagdad ein Türkeibild zu einem, in lange vergessener und nun wiedererwachter Freundschaft, selbstbewussten politisch aufstrebendem Akteur.

Bild: http://commons.wikimedia.org

Co-published: http://blogicide.wordpress.com

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