

Laut Berichten des französischen Onlinemagazins "Solidarité et Progrès" herrscht zurzeit ein überraschend positiver öffentlicher Dialog zwischen den einst verfeindeten libanesischen Oppositionsführer Michel Aoun und Syrien.
Michel Aoun, der Chef der libanesischen FPM (Free Patriotic Movement) war einer der wenigen libanesischen Politiker die das Anfang der neunziger Jahre unter Vermittlung der Arabischen Liga zustandegekommene Abkommen von Taïf (Taef) nicht als rechtsgültig anerkannten, da er dem syrischen Staat zuviel Einfluss im Libanon gewährte und damit die libanesische Souveränität untergrab. Der General und damalige umstrittene Ministerpräsident Michel Aoun und seine Milizen lieferten sich daraufhin eine kurze Schlacht mit den syrischen Truppen und musste daraufhin ins Exil nach Paris flüchten. Erst im Frühjahr 2005, als die syrischen Truppen den Libanon verlassen hatten, konnte er in den Libanon zurückkehren.
Seitdem ist die Lage zwischen Libanon und Syrien angespannt. Teile der seit dem Rückzug ihrer fünf schiitischen Minister inkonstitionellen Regierung beschuldigen Syrien sich immernoch teils mit Bombengewalt in die libanesische Politik einzumischen. Syrien bestreitet die Vorwürfe. Die libanesische Opposition, bisweilen in den meisten deutschen Medien als "pro-syrisch" bezeichnet, hatte ein differenziertes Verhältnis gegenüber den Syriern. Der Teil der Opposition die sich um den christlichen Michel Aoun vereinigt hatte, ist zum grössten Teil noch misstrauisch gegenüber Syrien.
Nun hat der syrische Präsident Baschar Al-Assad in einem Interview mit der kataranischen Zeitung Al-Watan Äusserungen zu seiner Einstellung zu General Aoun gemacht, die das Onlinemagazin "Solidarité et Progrès" als eine "bombe diplomatique" wertete. Seine Hand sei in Richtung des FPM-Führers ausgestreckt. Er erklärte sogar, dass er Aoun nach Damaskus einlade, wenn der richtige Zeitpunkt kommt. General Aoun hatte schon zu früheren Gelegenheiten eine Normalisierung der Beziehungen mit Syrien angekündigt, sollte er das Präsidentenamt des Libanon erlangen. In seinem Buch "Ma vision du Liban" erklärt er, dass er Damaskus nichtmehr als Gegener ansehe, seit Syrien sich 2005 aus dem Libanon zurückgezogen hat. Al-Assad widerrum sagte nun in dem Interview, dass Michel Aoun nicht Syriens Feind gewesen sei, siondern sein "Rivale". "
Die Tore von Damaskus bleiben für jeden geöffnet, einschliesslich General Aoun, sobald er findet, dass die Umstände eine Visite bei uns erlauben. General Aoun wird im Präsidentenpalast empfangen werden. Wir gewähren ihm allen Respekt. Dass wir einst mit ihm im Konflikt waren, heisst nicht, dass wir nicht seine Ansichten respektieren. Ich war der erste, der 2005 die Frage nach den diplomatischen Beziehungen mit dem Libanon gestellt hat. Ich bin positiv eingestellt gegenüber dem gegenseitigen Versand von Botschaftern, aber derzeit ist es nicht möglich diesen Prozess durchzuführen, weil die Beziehungen zwischen den zwei Ländern schlecht sind."
Baschar al Assad im Interview mit AL-Watan
Auf der wöchentlich in Ramieh stattfindenden Sitzung der Fraktion der "Aounisten", dem "Bloc parlamentaire du changement et de la réforme" antwortete General Aoun auf Assads Äusserungen. Ein Besuch in Syrien sei sehr "wichtig" und ihm "viel wert". Er hoffe, dass schon bald der richtige Zeitpunkt kommt, der so eine Visite erlaube.Kommentar:
Dass dieser öffentliche Dialog zwischen Aoun und Assad stattfindet hätte man meiner Meinung nach erwarten können. Jeder der sich etwas mit Aoun auseinandergesetzt hat, weiss, dass er ein Mann der Kompromisse ist. Und das ist gerade das, was der Region und besonders dem Libanon besonders fehlt. Dieser Akt, dass einst verfeindete politische Grössen, aufeinander zugehen sollte als Vorbild für andere Politiker, auch weltweit dienen. Jeder, der tatsächlich die Interessen seiner Mitbürger vertritt, ist gut beraten, wenn er mit seinen nächsten und auch entferntesten Nachbarn gute Beziehungen hat. Und gute Beziehungen fangen mit freundlichen Worten an. Bleibt zu hoffen, dass sich andere libanesische Politiker daran ein Beispiel nehmen und nicht dem Willen vo US-Botschafter im Libanon Jeffrey Feltmans folgen. Dann nämlich, wären gute Beziehungen zu Damaskus, unwünschenswert.
Bildquelle: http://commons.wikimedia.org
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