Mittwoch, 30. April 2008

"Free Tibet"-Banner in China produziert


Die bei den Demonstrationen in Tibet geschwungenen Fahnen sind offenbar aus chiensischer Produktion.

Eine Fabrik in Guangdong stellte die Flaggen für die Exil-Tebitianische "Regierung" her. Die Fabrikarbeiter haben laut BBC nichts von der Bedeutung ihres Produkts gewusst und es einfach nur für bunte Fahnen gehalten. Auch der Fabrikbesitzer habe nur gewusst, dass es sich um einen Auftrag aus dem Ausland handelt und keine Banner für ein freies Tibet dahinter vermutet. Erst als Bilder von eben diesen Flaggen im Fernsehen zu sehen waren, wurde man aufmerksam.


Kommentar:
Generell läst sich zu den Unruhen in der Provinz Tibet sagen, dass das Selbstbestimmungsrecht, in unseren Medien mit zweierlei Mass gemessen wird. Auffällig ist, dass häufig den Interessen Deutschlands oder seiner Verbündeten berichtet wird, selten neutral. Bei den baskischen und nordirischen Separatisten ist der Duktus der Berichterstattung gegen die Unabhängigkeit, beim Kosovo oder wie hier in Tibet wird herrscht eine pro-separatistischer Berichterstattung. Über die Fragwürdigkeit der tibetianischen Exil-"Regierung haben schon andere Nachrichtenblogs und Portale ausführlich berichtet. Siehe dazu hier un hier

Zu dem Bericht der "Free-Tibet"-Flaggen ist zu bemerken, dass diese Tasache weder die Exil-Tebitianer, noch die chinesischen Fabrikanten in einen guten Licht stehen lässt. Die einen stärken ihren politischen Gegner durch ihren Produktionsauftrag, wahrscheinlich weil es dort am billigsten war, die anderen fixieren sich so sehr auf ihren Profit, dass sie nicht einmal merken, was sie da herstellen. Da stellt sich die Frage, was noch so alles in China produziert wird was man anfangs angeblich nur für "bunte Fahnen" gehalten haben soll.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/Tibet

Sonntag, 27. April 2008

Disneyland in Bagdad

Es steht ausser Frage, dass jeder der in einer Krisenregion lebt jede Ablenkung vom Kriegsalltag begrüsst. Allerdings gibt es gute Gründe die geplante Eröffnung eines Freizeitparks à la Disneyland in Bagdad kritisch zu betrachten.

Nahe der so genannten "grünen Zone" in Bagdad soll ein Vergnügungspark entstehen, der neben typischen amerikanischen Spass- und Freizeitaktivitäten auch den seit der US-Invasion heruntergekommenen und mehrfach geplünderten Zoo aufnehmen soll. In diesem sind von den einst 700 Tieren heute nur noch 35 am Leben. Viele davon verhungerten, andere dienten selbst als Nahrung für die hungernde Bevölkerung.

Llewellyn Werner, der Präsident der Holding die das Projekt in Angriff nimmt, und die bereits Disneyland konzipierte, sicherte dem Unternehmen nun die Baufläche für den Park in Bagdad für die kommenden 50 Jahre. Der dafür an die Bagdader Stadtverwaltung gezahlte Preis wird geheim gehalten. Neben der Unterstürtung vom Bürgermeister der Stadt, kann Werner auch auf die der irakischen Regierung setzen. So sagte laut "planete non-violence" der irakische Regierungssprecher
"In der Stadt fehlt es an Vergnügungsmöglichkeiten. Die Kinos können nicht öffnen. Spielplätze können nicht öffnen. Es besteht wirklich Bedarf an Zerstreuungsmöglichekeiten. Die Kinder haben keine Möglichkeit ihre Kindheit zu geniessen"
"Ist eine gute Sache" mag man denken, vor allem wenn man den Worten von Holding-Präsident Werner glauben schenkt wonach das Projekt "eine enorme psychologische Wirkung" haben wird. Auch General David Petraeus, der Fürher der US-Streitkräfte im Irak äusserte sich positiv zu dem Vorhaben:

"Es gibt überall im Irak alle möglichen Investitionsmöglichkeiten. Es geht hier nicht nur um Kohlenwasserstoff. Die Hälfte der irakischen Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Diese Kinder brauchen etwas das sie beschäftigt."


Was gibt es da also noch zu kritisieren?

Um direkt an die Worte von Petraeus anzuknüpfen, stellt sich zuallererst die Frage, wer von den unter 15-Jährigen überhaupt jemals die Gelegenheit bekommen wird in diesen Park zu gehen. Zwar heisst es, im Times-Artikel, wo diese Nachricht erstmals veröffentlicht wurde, dass Skateboard-Bedarf gratis an Kinder verteilt werden soll, genauer wird aber nicht beschrieben an wieviele Kinder und an die Kinder von wem. Wahrscheinlich wird kaum die Mehrheit der unter 15-Jährigen IrakerInnen jamals etwas wie diesen Park von innen zu Gesicht bekommen. Skateboardausrüstung schön und gut, aber wer zahlt den Eintritt in den Park? Billig kann es nicht werden, verspricht sich Llewellyn Werner doch nicht wenig Profit aus dem Geschäft.

Der grösste Kritikpunkt an der Unternehmung ist offensichtlich und wird vom politischen online-Magazin planete non-violence genannt: Im Irak fehlt es an allem. Vor allem am Nötigsten. Die Plünderungen im Zoo zur Verspeisung der Tiere verdeutlichen einmal mehr die Nahrungsmittelknappheit im Zweistromland. Nicht besser sieht es mit medizinischer Versorgung aus. Es herrscht Bildungsnotstand und regelmässig elektrischen Strom haben auch nur noch ein paar Priveligierte die das Glück haben in der richtigen Wohngegend zu hausen oder genügend Geld haben sich einen Diesel-Generator zu leisten.

Wie will man nun einer hungernden und auch sonst leidenden Bevölkerung klarmachen, dass ein Freizeitpark den sich die meisten nicht leisten können da ist um Kinder zu beschäftigen und abzulenken? Geradezu zynisch erscheint die Aussage Werners wenn er sagt, das Projekt werde eine enorme psychologische Wirkung haben. Vorstellbar ist, dass die psychologische Wirkung dahin geht, dass erhöhte Abneigung, wenn nicht gar Hass auf den durch den Park repräsentierten "american way of life" entsteht.

Der Fehler liegt in der Denkweise: Kurzfristig mag der Park wirtschaftlich profitabel sein. Will man aber die längerfristigen Wirkungen, die so genannten "impacts" in der Rechnung mit berücksichtigen, wird der Park kaum als erfolgreich zu bezeichnen sein. Moral und Ethik die im Kalkül eines Ökonomen wie
Llewellyn Werner offenbar die kleinere Rolle spielen, werden sich irgendwann auf die Abrechnung auswirken. Gerade in einem instabilen Land wie dem Irak sind aber oben genannte Faktoren bei längerfristigen Investitionen wie einen Freizeitpark von Bedeutung, wenn man eine grosse Fehlinvestition vermeiden will.