Von seinen Worten überzeugt erklärte der israelische Premier Ehud Olmert mit selbstgefälligen Lächeln "wir haben gewonnen". Doch die israelische Presselandschaft ist mit der Selbstsicherheit etwas sparsamer. Alle abgesteckten Ziele seien "komplett erfüllt" worden, hiess es heute aus Tel Aviv. Diese waren laut Ha'aretz, die Infrastruktur der Waffenbewegungen und des Terrors zu bekämpfen, feindliche Terroraktivitäten aus dem Gaza-Streifen zu unterbinden, die Ausweitung eigener Aktionen vorzubereiten und zu dynamisieren und das alles um für den Ausbau der eigenen Abschreckung und für die Schaffung lanzeitiger Sicherheit zu sorgen.
Ziele die nicht nur sehr undeutlich formuliert sind, auch sind sie nicht sehr weit gesetzt. Im Krieg 2006 ge
Geht man selbst davon aus, wie sind dann die vielen toten Zivilisten - 700, davon 400 Kinder - zu rechtfertigen fragt die grösste israelische Tageszeitung. In der Internetausgabe derselben prognostiziert Yael Branovski, dass es kein Ende des Waffenschmuggels geben wird da Hamas Gaza noch immer kontrolliere. "Der nationale Konsens, der in den letzten drei Wochen in Israel geherrscht hat, ist seit gestern tot" dramatisierte Nahum Barnea mit Bezug auf den fragwürdigen Waffenstillstand.
Aluf Benn von der vorgeblich linksliberalen Haaretz bemerkte in seinem polemischen Artikel, dass noch bei weitem nicht alle der Kriegsziele erreicht worden seien. Er versteht den ganzen brutalen Krieg gegen den Gaza-Streifen als einen Versuch, das Abschreckungspotenzial und das dementsprechende Image der israelischen Armee nach der militärischen Niederlage im Libanon 2006 wiederherzustellen. Eine fragwürdige Unternehmung in Anbetracht der Tatsache, dass die Bewaffnung der Hamas museumsreif und ihre militärische Stärke dementsprechend ist.
Ein weiterer Punkt, der sich in der israelischen Berichterstattung finden lässt ist das Erstarken der Hamas. Statt sie zu schwächen haben die jüngsten israelischen Angriffe den palästinensischen Widerstand nicht nur erstarken lassen, sondern ihn auch internationalität mehr Rückendeckung und Legitimität verschafft.
Kommentar:
Es ist schier unglaublich. Während drei Wochen fragt man sich: Was wollen die Israelis eigentlich erreichen? Und nun zeichnet sich ab, dass das alles eine grosse PR-Aktion gewesen sein soll um sich selbst wieder als "unbesiegbar" zu profilieren. Anders lassen sich Ehud Olmerts Worte "Wir haben gewonnen" wohl kaum erklären. Man rühmt sich damit, dass die Nachbarn jetzt wohl wieder Angst hätten und sich künftig eher in Acht nehmen werden, nachdem die eigene Armee sich 2006 an der Nordfront blamiert hatte. Abgesehen davon, dass es sehr fragwürdig ist, ob der abschreckende Charakter der IDF restauriert wurde, bleibt die Frage um welchen Preis dies geschah.
Bei einer analytischen Betrachtung dieses Feldzuges ergibt sich folgendes:
1. Eine diplomatische Fahrt in den Keller: Zwei von vier arabischen Ländern mit Kontakten auf Botschafterebene zu Israel, verwiesen die Diplomaten des Landes. Ebenso handelten zwei Südamerikanische Länder. Eine UNO-Resolution wurde schlicht ignoriert und als "inpraktikabel" bezeichnet. Auch der UNO-Menschenrechtsrat veruteilte Israel.
2. Ein internationaler Verlust an Ansehen der seinesgleichen sucht: Wie kaum jemals zuvor sind Menschen weltweit auf die Strasse gegangen um gegen die brutalen Angriffe zu demonstrieren. Obwohl die Berichterstattung aus dem Gaza-Streifen sehr eingeschränkt wurde, kamen dennoch Bilder der vielen Toten um die Welt. Dies führt zu Punkt 3.
3. Eine Moralische Niederlage die ihresgleichen sucht: Obwohl die israelische Armee mit vielgelobten Präzisionswaffen ausgerüstet ist, die wie "chirurgische Eingriffe" angeblich nur das treffen was getroffen werden soll sind von den rund 1200 Toten über die Hälfte, nämlich 700 Zivilisten. Davon sind wieder über die Hälfte, nämlich rund 400 Kinder. Zum Vergleich: Dreizehn israelische Tote von denen ganze Zehn Soldaten und drei Zivilisten sind.
Bildequellen: Alle Bilder von http://commons.wikimedia.org/
2 Kommentare:
Was den Punkt der Bewaffnung der Hamas angeht, haben die Israelis wohl recht. Katjuscha Raketen z.B. sind ja Waffen aus dem WWII.
Ansonsten hielt ich das Ganze über die letzten Wochen auch für eine riesige Sauerei und habe mich ständig nach dem Sinn und Zweck gefragt.
War es nicht sogar so, dass die Israelis an Weihnachten mit ihren Angriffen begannen?
Außerdem ist die Aussage, dass die Waffen hochpräzise sind, ebenfalls richtig. Genau das spricht für die Eiseskälte dieser Angriffe, denn die Zivilisten, vor allem die Kinder, schienen vollkommen egal zu sein. Ein solches Verhalten sollte international noch stärker kritisiert werden.
Diesen Krieg außerdem so zu begründen, wie es getan wurde, wäre ein purer Witz, wenn dabei nicht so viele Menschen gestorben wären. Denn man muss immer bedenken, dass trotz der vielen Toten Zivilisten, Soldaten auch Menschen sind, die aus reiner Verblendung und Dummheit eine Tötungsmaschinerie des Staates bzw. der Willkür einzelner Politiker, bilden und ebenfalls in jedem Krieg Opfer sind.
Mittel- und vor allem langfristig werden die letzten Wochen jedenfalls einen bitteren Nachgeschmack liefern und selbst wenn der Krieg jetzt vorbei ist, wird es dauerhaft weitere Auseinandersetzungen in diesem Gebiet geben werden.
Zitat: War es nicht sogar so, dass die Israelis an Weihnachten mit ihren Angriffen begannen?
Ja, die Bombardements haben zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Neujahrsfest angefangen. Aber wie unsere liebe Frau Merkel schon bemerkt hatte, man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Und die jahrelange Abiegelung des Gazastreifens und die ständigen "gezielten Tötungen" von palästinensischen Regierungsmitgliedern vorher stellte schon an sich einen Kriegsakt dar
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