Über 430 Tote haben die israelischen Agressionen auf den Gaza-Streifen bisher gefordert, über 15 Prozent der Opfer sind Kinder. Die weltweiten Proteste gegen die Operation "gegossenes Blei" werden dieser Tage auch von jüdischen Stimmen unterstützt. Unter ihnen ist auch die Anti-Zionistische Neturei KartaDie Organisation Neturei Karta beansprucht für sich das ursprüngliche Judentum zu vertreten. Aus ihrer Sicht verklärt der Zionismus als eine weltliche Ideologie den Judaismus weil er seine Wurzeln und Regeln missachtet. Laut der Thora sei das heilige Land zwar ein Geschenk Gottes, jedoch ist auch Gottes Verbannung aus ihm zu akzeptieren die bis in eine messianische Ära des Friedens anhalten soll. Die Unterdrückung und Unterwerfung eines anderen Volkes zur Rückkehr ins Gelobte Land wird als Antithese auf das erwünschte Ende der Diaspora gesehen das "auf eine spirituelle Brüderschaft Harmonie und weltweiten Dienst an dem Einen Gott" basieren soll.
In einer Rede im New Yorker Rockefeller Center äusserte sich nun ein Mitglied der Organisation zu den jüngsten Angriffen auf den Gaza Streifen. Dort wird Israel der Einschüchterung, des Kriegs und der ethnischen Säuberung schuldig gesprochen und der Schmerz betont, der beim Betrachten der Notlage in den palästinensischen Gebieten entsteht. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Neturei Karta und ihre regelmässige Stellungnahmen sich von zionistischen Seiten häufig Angriffen ausgesetzt sehen. Von "Selbsthassern" oder "jüdischen Antisemiten" ist dann zu hören. Ähnliche Vorwürfe werden auch israelischen Menschenrechtsgruppen wie B'Tselem gemacht. Diesen wird Augenwischerei und einseitige Berichterstattung vorgeworfen. Ein Schicksal, das mit der österreichischen Organisation EJJP (jüdische Stimmt für gerechten Frieden in Nahost) geteilt wird.
Kommentar:
Kaum eine zivile Stimme verleiht diesertage dem friedlichen Widerstand wohl mehr Gewicht in der Welt als eine Jüdische wie die der Neturei Karta oder von der EJJP. Umso wichtiger ist, dass sich noch mehr Stimmen erheben die betonen und plakativ aufzeigen, dass bei Morden an Zivilisten und Kindern Kategorien wie "antisemitisch motivierte Kritik" nichtmehr als vernünftige Argumente akzeptiert werden können. Ebenso bekommt der Begriff der "einseitigen Berichterstattung" eine ganz neue Bedeutung. Wenn innerhalb einer Woche mehr Kinder im Gaza durch israelische "Präzisionswaffen" getötet werden als die Hamas im ganzen letzten Jahrzehnt tötliche Raketenangriffe aus dem Gazastreifen geschossen hat, ist es einseitige Berichterstattung immer wieder auf die Nennung dieser Agriffe zu bestehen. Dies erweckt den Eindruck von Ausgeglichenheit, die aber, trotz der Bedauerung von Toten auf allen Seiten, nicht besteht.
Bildquelle: commons.wikimedia.org
2 Kommentare:
Es gibt noch mehr Juden, die dem Krieg in Gaza gegenüberstehen, zu nennen wäre da Jewish Voice for Peace. Kritik an der Gründung des Staates Israels und der damit verbundenen Vertreibung der indigenen palästinensischen Bevölkerung, läßt sich in den Werken des israelischen Akademikers Ilan Pappe wiederfinden.
Generell kritisch sind Juden wie Noam Chomsky oder Norman Finkelstein, der selber Nachfahre von Holocaustüberlebenden ist, aber den "Gebrauch" des Holocausts für politische Zwecke kritisiert.
Ja, es gibt noch einige Gruppen mehr. Es wäre besser, wenn diese Organisierter und innerhalb des Judentums einflussreicher wären. Besonders hervorzuheben sind hier natürlich wie du sagst Ilan Pape und Finkelstein, die mit Ihren Werken besonders hervorstechen
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