Montag, 5. Januar 2009

Massenmord durch Aushungern? Nur noch zwei Bäckereien in Gaza geöffnet

Als Israel schon vor Beginn der Bombadierung Gazas trotz des sechsmonatigen Waffenstillstands einen Kriegsakt begann indem es den Landstreifen hermetisch abriegelte, sprach man von einer "drohenden humanitären Katastrophe". Was das konkret bedeutet zeichnet sich in diesen Stunden vor der Weltöffentlichkeit ab

Wie Press TV berichtet, haben die jüngsten Bombadierungen und Kampfhandlungen die Situation dramatisiert. In Gaza, dem Zentrum des Gebiets, das so gross wie Bremen, aber doppelt so stark bevölkert ist, haben nur noch zwei Bäckereien geöffnet. Hunderte stehen laut Augenzeugenberichten Schlange um sich mit Brot einzudecken.

Die Krankenhäuser hatten auch schon vor den jüngsten israelischen Angriffen zur Zeit der Blockade mit Engpässen bei Strom, Wasser, Medikamenten und Grundausrüstung zu kämpfen. Nun kommt zu dem fehlenden Strom und dem Mangel an Ausrüstung und Medikamenten die unglaubliche Flut an Verletzten. Mehr als 1300 sollen es bisher sein. Die Verwaltung des Krankenhauses muss die Bevölkerung öffentlich um Benzin anbetteln. Hinzu kommt die Angst, selbst im Krankenhaus bombardiert zu werden. Nach Meldungen, dass das Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt im Visier der Kampfbomber sei, wurde es teilevakuiert.

Konvois des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen hat die israelische Armee den Zutritt zum Gaza-Streifen untersagt. Ähnlich dürfte Ägypten den Übergang in Rafah blockieren. Der Aussenminister des Landes hatte jedem der die Landesgrenze illegal überquert damit gedroht, dass ihm die Beine gebrochen werden.

Kommentar:
Es ist einfach unfassbar was dort vor den Augen der Weltöffentlichkeit vonstatten geht. Innerhalb weniger Tage werden mehr Menschen durch Luftangriffe zu tode bombardiert als in diesem Jahrzeht durch Raketen aus dem Gaza-Streifen getötet wurden. Trotzdem muss man sich ständig anhören, dass man beide Seiten verurteilen muss. Das erweckt jedoch den falschen Eindruck von Verhältnismässigkeit. Natürlich sind Tote egal wo zu bedauern. Aber will man sich ein Minimum an Neutralität bewahren (Was bei einer Informierung durch deutsche Berichterstattung kaum möglich ist), muss man wie Frau Merkel gesagt hat, Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Aber genau das tut sie. Einfach unglaublich wie schnell vergessen wird, dass Israel auch während der 6-Monatigen "Waffruhe" "gezielte Tötungen" in Gaza durchführte. Vor diesen hat es keine Raketenangriffe zu der Zeit dort gegeben. Genausowenig ist verständlich, dass kaum ein Journalist in der deutschen Presse erwähnt, dass die Blockade Gazas an sich schon einen Kriegsakt während der "Waffenruhe" dargestellt hat. Aber die Waffenruhe ist ja bekanntlich vorbei und darum muss jeder seinen Mund aufmachen und zumindest eine Öfnnung der Grenze lautstark fordern um wenigstens Nahrunsmittel, Medikamente, Wasser und Energieträger hinein und Verletzte hinausbringen zu können.