Seit es 2005 seine Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Drogenbekämpfungsbehöde (DEA) beendete, vernahm man immer wieder Stimmen aus Washington, Venezuela unterstütze den Rauschgifthandel in die USA. Als "Mythen", die das Ziel haben das Land und den Präsidenten Hugo Chavez zu diffarmieren, weist der französische Journalist und Kommunikationsberater in Caracas Romain Migus diese und andere Anschuldigung zurück. In einem Artikel des Nachrichtenportals "Reseau Voltaire" nimmt er gegen die Vorwürfe Stellung.Einen Augenblick, Südamerika, da war doch...
Eins kann man Migus dabei nicht absprechen: Das erste Land, das bei den Begriffen Drogen bzw. konkreter Kokain und Südamerika in den Kopf kommt ist nicht Chavez' Venezuela, sondern Washingtons engster Verbündeter in der Region Uribes Kolumbien. Das liegt nicht nur an dem legendenumwobenen Kolumbianer der durch seinen Drogenhandel, hauptsächlich in die USA, einst vom Forbes-Magazin zu den zehn reichsten Menschen der Welt gezählt wurde. Kolumbien ist auch heute noch der weltweit größte Kokainproduzent (61%). Ähnlich ist es bei Heroin. Mit 90 % des weltweit produzierten "H" ist nicht etwa ein Kontrahentenstaat wie Venezuela Spitzenreiter, sondern das von den USA und seinen überwiegend europäischen Verbündeten kontrollierte Afghanistan. Die Vernichtung des Schlafmohns seitens der US-Armee wurde laut Sondergesandten für Afghanistan Richard Holbrooke im Juni diesen Jahres sogar eingestellt. Dies dürfte die Produktion noch weiter steigen lassen.
Mangelnde Kooperation?
Zurück zu Migus nach Südamerika: Immer wieder vorgehalten wird Venezuela, dass es im internationalen Kampf gegen Drogenhandel nicht kooperiere. Konkret gemeint ist von den USA dabei die Einstellung der Zusammenarbeit mit der DEA vor drei Jahren. Venezuelas Begründung damals wie heute: Statt es bei der Drogenbekämpfung zu unterstützen, schleusten die Amerikaner über diese Behörde Spionageagenten in das Land am Orinoco. Tatsächlich weisen viele Spuren auf eine massive verdeckte Einmischung des großen Bruders aus dem Norden hin, die im gescheiterten Staatsstreich gegen den Präsidenten Hugo Chavez im Jahr 2002 gipfelte. Die Abschiebung der in Caracas ansässigen DEA-Agenten isoliert Venezuela international nicht im Anti-Drogenkampf, so Romain Migus. Im Gegenteil, es bestehen weiterhin 50 Verträge zur Drogenbekämpfung mit 37 Ländern. Hinzu komme die Zusammenarbeit mit dem Suchtstoffkontrollrat der UNO und Interpol. Dies mache den Vorwurf, die Bolivarische Republik würde nicht bei der Drogenbekämpfung mitspielen zu einer Unwahrheit.
Ein sicherer Hafen für Großhändler und Schmuggler...
Ein Kritikpunkt in Richtung Caracas ist, dass internationale Dorgenhändler in dem Land eine sichere Stätte und Schutz
bekämen. Migus sieht das Gegenteil: Als Händler von Rauschgift habe man in Venezuela schlechte Karten. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit der DEA wurden 2008 mehr als sechsmal soviele Schmuggler und Händler (9133) hinter Gittern geführt wie noch zu Zeiten der Kooperation mit der US-amerikanischen Behörde (1179). Unter diesen seien eine Reihe international von den USA, Kolumbien und Interpol gesuchten internationalen Schieber. Der größte Fisch, der den venezolanischen Behörden in die Netze ging war Hermagoras Gonzales Polanco, "der Große" genannt und zuvor steckbrieflich von Washington gesucht. Weitere Namen sind der Kopf des kolumbianischen Nordatlantikkartells Libardo de Jesus Parra Gonzales oder der Italiener Giovanni Civile, dessen Auslieferung von Frankreich beantragt wurde. Trotz dieser Zeichen die gesetzt wurden, wird tatsächlich Venezuela im Weltdrogenbericht 2009 der UNO Venezuela als einer der Länder genannt, über die das meiste Kokain nach Europa gehandelt wird. Allerdings stammt dieses Kokain in den meisten Fällen aus Kolumbien und nimmt nur seinen Weg über Venezuela.Ein explodierender Rauschgiftkonsum
Ein weiterer Tadel auf den Romain Migus eingeht ist, dass der Drogenkonsum im südamerikanischen Land "explodiert" sei, seit die US-amerikanische Drogenbehörde des Landes verwiesen wurde. Migus weist die USA darauf hin, nicht mit Steinen zu werfen, wo sie doch selbst im Glashaus sitzen würden. Der Pro-Kopf-Konsum von Drogen sei in den USA weitaus höher als in Venezuela. "New York hat einen Konsum per Capita [...], der egal welche venezolanische Großstadt um Weiten schlägt." sagt der Kommunikationsberater tadelnd. Dennoch hat es Venezuela, trotz einer Reihe von Migus aufgezählten staatlichen Kampagnen, verstärkten Vorbeuge- statt Strafmaßnahmen und der Einstellung von über 11.000 Kräften zur Drogenbekämpfung, bedauernswerterweise nicht geschafft sich einem allgemeinen südamerikanischen Trend von erhöhtem Kokainkonsum zu entziehen, so der Weltdrogenbericht 2007.
Bilder: http://commons.wikimedia.org
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